Event Detail

HOW TO PICTURE LIVING SYSTEMS No.2

Petra MAITZ (KLI Klosterneuburg & Hamburg & Sydney)

Jun 23, 2017 | 18:30 - 20:00

KLI
Organized by: KLI & Petra Maitz (contact: P. Maitz +43 660 1475580)

Topic Description

23.6.-31.8.2017 Ausstellung

Zum 2. Mal stellen wir eine Reihe von künstlerischen Positionen vor, die in ihrer ästhetischen Prägung und Ausformung eine überzeugende Richtung einschlagen. Die „Epizyklen künstlerischer Entdeckungen“, ein Diagramm der zu jung verstorbenen deutschen Künstlerin Jeanette Schulz, die Wien als ihren Lebensort wählte, zeigen uns, dass wissenschaftliche Denke oft einen Motor aus anderen Quellen braucht. Jeanette formulierte jahrelang ihr Arbeiten als Forschung am eigenen Leib und interpretierte ihr Fehlen an Gesundheit mit erstaunlich humorvollen Antriebsparolen. Sie praktizierte das Wachsen des Denkens mit dem linken Knie. „Ich denke sowieso mit dem Knie“, ein Bonmot von Joseph Beuys kam zur Anwendung. An der Schnittstelle indigene Kultur und westlich weiße Kunst gab es schon vor 50 Jahren performative Werke mit kooperativer KO-Existenz. Joseph Beuys und der Coyote. Er hatte seine erste Reise in die USA auf Einladung von René Block in dessen New Yorker Galerie 1974 wahrgenommen und ein spezielles Ritual entwickelt, um in Amerika anzukommen. Er wollte nichts sehen, kam mit Augenbinde in der Galerie an und wurde dorthin mit einem Krankenwagen gebracht.

Dieser dokumentarische Film wiederum ist Ausgangspunkt für heutige Reflexionen über Beuys‘ Werk, wie es bei der australisch/kanadischen Künstlerin Rolande Souliere sichtbar wird. Sie bestickt in indigener Art Beuys Augen und Mund auf einer Schwarz/Weiß-Fotografie seines Gesichtes. Ein unglaublicher Eingriff in die Geschichtsschreibung, denn sie betont damit die völkergebundene Auslegung von Kunst und von Zuschreibungen. „How to Picture Living Systems“ wird hier zur Umkehrung vom Themenschwerpunkt Biologie-Kunst. Auch Simon Wachsmuths Arbeit ist kulturtheoretisch und bildet sich aus assoziativen Gedanken und referenziellen Ableitungen von historischen Narrativen des Bronzegusses und des Kopierens und analysiert Ökonomien der Arbeitsteilung. Wachsmuth befasst sich bereits seit längerem mit dem kulturellen Konstrukt Natur, den Formen ihrer Simulation und Steuerung sowie deren Bedeutung in kulturhistorischen Diskursen, wie Cosima Rainer sagte. Was man sieht ist aber nur ein Minisetting, ein Exempel dieser mentalen Versuchsanordnung.

Bei der jungen deutschen Künstlerin Evelyn Möcking wird der Materialbegriff zum Wesensmerkmal aller ihrer bildnerisch ästhetischen Formungen, denn sie malt mit Tierfett, lässt es sich selbst malen, wie sie sagt. Denn Fett verteilt sich unkontrolliert am Träger, dem Papier. Die Biologie spricht ihre Sprache durch die Handlungen der Künstlerin; ein hochsublimer, äußerst direkter Umgang mit organischer Materie. Sie betreibt diese Art Arbeit wie eine Aneignung und führt uns in die Möglichkeiten der Wiederbelebung durch Konfrontation mit dem Tod.

Das besondere Augenmerk möchte ich auf die Videoprojektion und Installation im Gewölbe des KLI dieser Ausstellung lenken. In der jüngeren Szene ist Gaetan Robillard seit einiger Zeit in Frankreich bekannt für hohe wissenschaftlich mathematische Experimente, die in Kunstformen dargestellt werden. Die Konnotationen mit mathematischen Bedingtheiten seiner Vorgangsweise sind manchmal schwierig zu erkennen, dennoch sind die ästhetischen Ergebnisse überzeugend und so einnehmend, dass das Beispiel künstlerischer Recherchearbeit einen Zauber ausübt, der das Spannungsfeld der beiden Disziplinen in großer Leichtigkeit vorführt. Mehr denn je sind zeitgenössische Koproduktionen von Naturforschung und Kunst ein wichtiger Bestandteil unserer Zeit, gerade jetzt wo uns ein Verschwinden der Bio-Diversität droht bauen Künstler Zusammenhänge, die Kunst und Wissenschaft bereichern und erweitern.

http://www.documenta12.de/index.php?id=990

http://mobitool.free.fr

https://www.evelynmoecking.de

http://www.rolandesouliere.com.au

http://pinakothek-beuys-multiples.de/de/joseph-beuys-biographie/

http://www.gak-bremen.de/de/publikationen/jeanette-schulz-state-of-the-art/

http://www.tm50.de/kunst-am-bau/jeanette-schulz/